Italienischer Besuch bringt Leichen mit ins Haus

Theateraufführung der Q1

Die Lichter der Aula werden gedimmt, das Publikum in Dunkelheit gehüllt und die letzten euphorischen Gespräche verstummen in eine erwartungsvolle Stille. Die Blicke der Anwesenden richten sich auf den einzigen erleuchteten Ort: die Bühne, in das Ebenbild eines edlen Salons verwandelt. Eine hohe Stehlampe deckt das schwarze Klavier, ein eingesessenes Sofa sowie einen kleinen Tisch - umgeben von drei einladenden Stühlen – in einen orangenen Schein, während sich mit einem kleinen musikalischen Auftakt die ausgeklügelte Geschichte beginnt zu entfalten und alle Zuschauenden in ihren Bann zu ziehen: Eine ältere Dame und ihr gesamter Haushalt wird von einem unangekündigten Besuch aus Italien überrascht, der eine geheime Agenda zu verfolgen scheint und anstelle von Rotwein eine Leiche im Koffer mit sich bringt. 
Der angebliche Neffe hat es auf das Vermögen seiner Tante abgesehen und scheint keine Scham bei dem Versuch zu kennen, dieses schlussendlich zu erlangen. Doch niemand hätte es vorhersehen können, dass der Besuch in schwarzen Hemden, gepflegten Anzügen, zurückgegelten Haaren, hohen Absätzen und natürlich mit einem italienischen Akzent einer nach der anderen auf wundersame Weise zu sterben scheint. Die Bediensteten und ihre Arbeitgeberin hatten sich allerdings entschlossen, nicht den Zorn ihrer Gäste auf sich zu ziehen, indem sie die Leichen der Polizei melden, schließlich scheint es sich um die Mafia zu handeln. Das Auftauchen eines engagierten Kommissars erschwert dieses Vorhaben allerdings und Leichen werden hinter der Couch oder einer Linie aus Angestellten versteckt, Ablenkungsmanöver werden geschaffen und die italienischen Besucher müssen zu jeder Zeit beschwichtigt werden. Doch auch in den Reihen der Gäste scheinen sich Streitigkeiten aufzutun und niemand kann dem anderen mehr vertrauen, die auftauchenden Leichen helfen dabei natürlich eher weniger. Verteidigungsmanöver mit Sprühflaschen oder Handtüchern, humorvolle Erwiderungen, kurze Lachanfälle, die von dem Publikum mit einem lauten Applaus überspielt werden, und eine wundersame Priese Misogynie deckt das Stück von vorne bis hinten aus und wird mit heiterem Gelächter kommentiert. Die Aufführung endet mit der Enthüllung der stillen Bediensteten als Angestellte mit kriminellem Hintergrund und der Verantwortung für das langsame Verschwinden ihrer Besuchenden, die schlussendlich alle beseitigt werden konnten.

Die letzten Worte gehen in einem tosenden Applaus unter, die jungen Schauspieler:innen kommen nacheinander auf die Bühne und verbeugen sich vor dem begeisterten Publikum und rufen zuletzt auch Frau Vallée – die Leiterin des Literaturkurses zu sich nach oben. Die Arbeit eines ganzen Jahres kommt somit am 19. Juni 2026 zu einem erfolgreichen Ende und wir können uns sicher sein, dass sich im Laufe der gemeinsamen Zeit nicht nur haufenweise verworfene Skripte, Dialoge oder Charaktere, sondern auch besondere Erinnerungen angehäuft haben. Eine Abwechslung vom sonstigen Schulleben war es allemal. 

Ein Artikel von Annabel Walpurger (EF, Moltke-Redaktion)

Theateraufführung 19.06.2026